Samstag, 1. September 2012

209.

Meine Augen sind klein, sie brennen und füllen sich alle wenige Sekunden mit neuen Tränen. 
Tränen die ich nicht definieren kann. Sie laufen mir über die Wangen, über die Nasenspitze 
und enden auf meinen Lippen. Meine Lippen, die bereits schon unter Wasser stehen müssten. 
Salzig, sie schmecken salzig, meine Tränen. So salzig wie das Gefühl in meinem Bauch. 
Mein Herz schlägt langsam, kaum zu spüren und ich merke die Erschöpfung die sich in jedem Knochen, 
in jeder Zelle breit macht. Ich spüre meine Lunge, die sich in meinem Brustkorb zusammenkauert 
und verzweifelt auf Luft wartet. Es ist ein beängstigendes Gefühl. Ich möchte zeitgleich weinen, 
lachen und in die Ferne schreien. Eine schnell tickende Bombe an Gefühlen die nicht explodieren mag. 
Sie sitzen fest, eingemeißelt in Stein und in einer Truhe fest verschlossen, umschließen meine gewillten Worte. 
Meine Worte, die nicht über meine, in Wasser stehenden Lippen gehen möchten. 
Doch so sehr möchten Silben aus meinen Mund springen und diese Gefühle erzählen, 
wie tanzende Noten beim Singen. Sich leicht fühlen und dem Nächsten tiefergehende Eindrücke 
in das Innere schenken. Aber es ist kein federleicht fühlen, es ist kein tanzen und auch kein fliegen. 
Es fühlt sich nach Schiffe versenken an, ein innerliches untergehen in den eigenen Gefühlen. 
Ein kentern des Selbst. Ich suche nach einem Anker der die eigene Position sichert. 
Einen Kapitän der mir hilft die Anleitung meines Lebens zu verstehen. Verschwommen sehe ich die stürmische See
vor mir. Meine Hände und Füße graben sich tief in den Sand. Immer noch schmecke ich das nasse Salz 
auf meinen Lippen.Die Zeit läuft weiter, sie läuft schnell und der Blick wird klarer. 
Ich richte mich auf und merke sie, die Gefühle und die Zeit, die gleich abgelaufen sein werden.


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